3. Schulbildung
 
Wie stellen Sie sicher, dass Schulsozialarbeit mindestens im bisherigen Umfang dauerhaft und verlässlich aus Landesmitteln finanziert wird?
 
Die FDP setzt sich für die nachhaltige Finanzierung der Schulsozialarbeit über das Förderende der ESF-Mittel ab 2028 hinaus ein. Wir wollen Schulsozialarbeit, wie alle Personalkategorien an und um Schule, in eine einfache, transparente und nachvollziehbare Finanzierungsstruktur überführen und bürokratische Hürden durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Rechtskreise beheben. Hierzu fordern wir die Umstellung der Schulfinanzierung auf ein System einheitlicher Schülerkostensätze, wie es bereits in vielen anderen Schulsystemen weltweit gehandhabt wird: anstatt fester Haushaltstitel erhalten Schule und Träger ein pro-Kopf-Budget, welches die tatsächlichen Schülerkosten abbildet. Dieses Budget wird dann in der Schule auf Personal, Ausstattung und Unterrichtsentwicklung verteilt. An die Stelle starrer Personalvorgaben tritt so eine flexible Personalbewirtschaftung, mit der z.B. Schulsozialarbeiter bedarfsgerecht eingesetzt werden können. Hierzu wollen wir die Kompetenzen der Schulleitungen vor Ort erweitern.

Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie den Lehrkräftemangel nachhaltig beheben und eine stabile Unterrichtsversorgung in allen Schulformen und Regionen sicherstellen?
 
Für die nächsten Jahre ist es für unsere Schulstruktur von elementarer Bedeutung, wie wir mit dem aus dem demographischen Wandel resultierenden Wandel vom Lehrermangel zum Lehrkräfteüberschuss umgehen. Die FDP setzt auf mehr Flexibilität im Personaleinsatz (z.B. durch die zuvor angesprochenen Schülerkostensätze) und eine generelle Öffnung des Schulwesens für unter-schiedliche Qualifizierungsmodelle. Wir wollen die Seiteinsteigerausbildung auf ein 1,5 Jahre-Quali-fizierungsprogramm vereinheitlichen, den Weg zum grundständigen Lehramt über das Fachabitur öffnen und Referendaren eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes ermöglichen, wenn sie während ihres Studiums bereits Praxiserfahrung in den Klassen gesammelt haben. Wo junge Menschen sich bereits jetzt ehrenamtlich engagieren, wollen wir gezielte Talent-Scoutings für den Lehrerberuf durchführen. Damit sich Lehrkräfte voll und ganz auf den Unterricht konzentrieren können, werden wir bürokratische Pflichten abschaffen und Zusatzaufgaben (z.B. IT-Administration) an Experten auslagern. Dort, wo eine strukturelle oder personelle Zusammenarbeit von Schulstandorten für eine bessere Unterrichtsversorgung sinnvoll ist, wollen wir die Einführung von Campusmodellen fördern. Wo Unterricht doch ausfällt, sollen Praxismodelle wie 4+1 oder die Arbeit über Projekte mit Honorarkräften aus allen Bereichen des Lebens dafür sorgen, dass der Unterrichtsausfall nicht zum Lernausfall wird.

Wie wollen Sie die Bildungsinhalte an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen – insbesondere in den Bereichen finanzielle Bildung, digitale Kompetenzen und soziale Fähigkeiten?
 
Bereits in der zurückliegenden Legislatur konnte die FDP sich mit zentralen Zukunftsvorhaben zur inhaltlichen Modernisierung des Schulwesens durchsetzen. An den Gymnasien haben wir das Schulfach Wirtschaft als Pflichtfach eingeführt. Das Schulgesetz führt nun explizit die Möglichkeit digitalen Ler-nens auf. In der kommenden Legislatur wollen wir diesen Weg fortsetzen. Wir werden die Qualitätsentwicklung und die Erfassung von Lern- und Entwicklungsständen evidenz- und datenbasiert aufstellen und konsequent digitalisieren. Mit einem Ausbau der Medienbildung und einer Einführung von Schwerpunktklassen für künstliche Intelligenz wollen wir Schülerinnen und Schülern ermögli-chen, Algorithmen, soziale Medien und Large Language Models zu verstehen statt sie mit Verboten zu belegen. Zur Förderung der MINT-Bildung wollen wir eine Landesweite Angebotsplattform für außerschulische Lernorte schaffen.

Welche Strategien verfolgen Sie, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu verbessern?
 
Für die FDP beginnt Berufsorientierung und Berufswahl nicht erst beim Übergang, sondern bereits in der Schule. Wir setzen uns deshalb für mehr Praxisorientierung in den Schulen ein. Schülerinnen und Schüler sollen bereits ab Klasse 7 durch Praxislerntage und weitere Programme der Berufsorien-tierung erste Erfahrungen mit Arbeit, Bewerbung und Berufsleben machen. Durch mehr Kontakt zu Wirtschaft, Handwerk und Industrie wollen wir auch unternehmerisches Denken fördern. Wir wollen "Räume für Macher" in Bibliotheken, Schulen und anderen geeigneten Orten einrichten, in denen Ju-gendliche und Erwachsene Technik, Kreativität und Unternehmergeist praktisch lernen können – stationär und mobil, gemeinsam mit Partnern aus der Region. Die Praktikumsprämie werden wir fortsetzen. Unsere Berufsschulen und die duale Ausbildung sind kein Bildungsweg zweiter Klasse, sondern Herzkammer des Wohlstands unseres Bundeslandes. Die Berufsorientierung sollte deshalb darauf ausgerichtet sein, junge Menschen nicht automatisch ins Studium zu drängen.
 
CDU, FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKEN, afd, SPD
 

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