2. Frühkindliche Bildung / Kita-Qualität (Studien weisen seit Jahren
auf kritische Fachkraft-Kind-Relationen in Sachsen-Anhalt hin.)
Welche verbindlichen
Zielwerte für den Fachkraft-Kind-Schlüssel streben Sie bis 2030 in Krippen
und Kindergärten an? Wie werden diese im Landeshaushalt konkret finanziert?
Zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte und zur Stärkung der
frühkindlichen Bildung wollen wir die wissenschaftlichen Empfehlungen für
Kita in die Praxis umsetzen, d.h. einen Personalschlüssel von 1:3 im
U3-Bereich und von 1:7,5 im Ü3-Bereich in den Kitas. Gute pädagogische
Arbeit, Sprachbildung, Inklusion und Elternarbeit sind nur mit ausreichend
Zeit und Personal möglich. Damit sollen Ausfallzeiten, Urlaub, Krankheit und
Elternarbeit realistisch berücksichtigt werden. Außerdem sollen
Kita-Leitungen ausreichend freigestellte Zeit für Organisation,
Personalführung, Qualitätsentwicklung und Zusammenarbeit mit Eltern
erhalten.
Dafür wollen wir ein neues transparentes Finanzierungssystem einführen, das
sich an den tatsächlichen Personalkosten orientiert und die
Finanzierungsanteile der Gemeinden und der Eltern aufhebt. Die Planung und
Finanzierung der Kindertageseinrichtungen sollen in eine Hand bei den
Landkreisen und kreisfreien Städten gelegt werden, denen das Land die
zusätzlichen Kosten für den Wegfall der bisherigen Elternbeiträge sowie die
höheren Kosten durch bessere Personalschlüssel durch das Land vollständig
erstattet.
Wie sichern Sie die Qualität der Kita-Arbeit bei sinkenden Kinderzahlen –
beispielsweise durch Kita-Sozialarbeit?
Im Rahmen der
verbesserten Personalschlüssel soll die pädagogische Arbeit der
Erzieher*innen durch die Gewährung von Zeiten für die Vor- und Nachbereitung
qualifiziert werden. Außerdem sollen alle Erzieher*innen regelmäßig zum
Programm „Bildung elementar – Bildung von Anfang an“ fortgebildet werden.
Sozialarbeiter*innen begleiten und unterstützen die Lern- und
Entwicklungsprozesse in Kitas und sind ein wichtiges Bindeglied zwischen
Kita, Familien und Jugendhilfe. Mit ihrer Hilfe können problematische
Entwicklungen besser erkannt und bearbeitet werden. Außerdem soll die
Verzahnung von Kita und Schule durch gemeinsame Standards und
Übergabeprozesse gestärkt werden. Wir setzen dabei auf verlässliche
Regelstrukturen statt Projektlogik durch eine gesetzliche Verankerung mit
verbindlichen Qualitätsstandards (Mindeststandards, Vertretungsmodelle,
Supervision) und einer dauerhaften Finanzierung durch das Land mit einer
leistbaren kommunalen Kofinanzierung.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Kita- und Schulstandorte insbesondere
im ländlichen Raum langfristig zu erhalten?
Damit alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu
qualitativ hochwertiger Bildung haben, kämpfen wir uns schon immer für den
Erhalt von Kita-, Schul- und Hortstandorte! Dafür müssen die
Personalschlüssel für Kitas und Horte und die Planungsvorgaben für den
Bestand von Schulstandorten der demografischen Entwicklung angepasst werden.
Insbesondere wollen wir die Mindestjahrgangsstärken für die Bildung von
Anfangsklassen an öffentlichen Schulen aufheben und durch globale
Personalzuweisungen ersetzen, damit Schulstandorte nicht mehr durch
schwankende Schüler*innenzahlen zur Disposition gestellt werden und
Schulträger selbst über den Erhalt und die Neuerrichtung von Schulstandorten
entscheiden können.
Wie stellen Sie sicher, dass pädagogische Fachkräfte ausreichend auf die
Begleitung von Kindern mit besonderen Lebenslagen, etwa mit belastenden
Vorerfahrungen o-der aus Pflege- und Adoptivfamilien, vorbereitet sind?
Die Verbesserung des Personalschlüssels ist die entscheidende Voraussetzung,
da gute pädagogische Arbeit nur mit ausreichend Vor- und Nachbereitung und
gezielter Fortbildung gewährleistet werden kann. Das trifft insbesondere auf
die Begleitung von Kindern mit besonderen Lebenslagen zu.
CDU,
FDP,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
DIE LINKEN,
afd,
SPD
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