2. Frühkindliche Bildung / Kita-Qualität (Studien weisen seit Jahren auf kritische Fachkraft-Kind-Relationen in Sachsen-Anhalt hin.)

Welche verbindlichen Zielwerte für den Fachkraft-Kind-Schlüssel streben Sie bis 2030 in Krippen und Kindergärten an? Wie werden diese im Landeshaushalt konkret finanziert?

Wir wollen die Fachkraft-Kind-Relation in den Kindertagesstätten spürbar verbessern, damit Erzieher wieder ausreichend Zeit für Bildung, Betreuung und individuelle Förderung haben, dies haben wir bereits mehrfach in den parlamentarischen Debatten der 8. Wahlperiode erwähnt. Die derzeitige Fachkraftquote wird den Bedürfnissen der Kinder sowie den Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte vielfach nicht gerecht. Deshalb streben wir schrittweise Verbesserungen an, die bis 2030 realistisch und verlässlich umgesetzt werden können. Die Finanzierung muss aus Landesmitteln erfolgen und darf nicht zu weiteren Belastungen der Eltern oder Kommunen führen. Dafür wollen wir Prioritäten im Landeshaushalt neu setzen, Bürokratie abbauen und Mittel stärker auf die Kernaufgaben Bildung, Betreuung und Familienförderung konzentrieren. Auch eine Verschlankung der Ministerialbürokratie wird dazu beitragen, zusätzliche finanzielle Spielräume für die Verbesserung der Betreuungsqualität zu schaffen. Parallel dazu wollen wir den Erzieherberuf attraktiver machen und Fachkräfte langfristig im Land halten. Unser Ziel ist eine dauerhaft bessere Betreuungsqualität, von der Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte gleichermaßen profitieren.

Wie sichern Sie die Qualität der Kita-Arbeit bei sinkenden Kinderzahlen – beispielsweise durch Kita-Sozialarbeit?

Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht automatisch zu Standortschlie-ßungen führen. Wir sehen darin vielmehr die Chance, die Betreuungsqualität zu verbessern, kleinere Gruppen zu ermöglichen und den Erziehern mehr Zeit für die individuelle Förderung der Kinder zu geben. Die für die Kinderbetreuung bereitgestellten Landesmittel sollen deshalb perspektivisch nicht im gleichen Maße wie die Kinderzahlen reduziert werden, sondern vorrangig zur Qualitäts-verbesserung eingesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen für uns verlässliche Bezugspersonen, Sprachförderung, Bewegung sowie eine enge Zusammenar-beit mit den Eltern. Sinkende Kinderzahlen eröffnen die Möglichkeit, Fach-kräfte stärker auf die individuelle Förderung und Begleitung der Kinder zu kon-zentrieren. Gleichzeitig gilt für uns der Grundsatz, dass Erziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern bleibt und nicht durch staatliche Strukturen ersetzt werden darf. Kitas müssen wieder stärker ihrem eigentlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht werden. Der Bildungsauftrag umfasst dabei die Förderung der sprachlichen Kompetenz sowie eine gute Vorbereitung auf die Schule.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Kita- und Schulstandorte insbesondere im ländlichen Raum langfristig zu erhalten?

Wir wollen verhindern, dass ländliche Regionen durch die Schlie-ßung von Schulen und Kitas weiter an Attraktivität verlieren. Deshalb setzen wir uns für flexible Mindestgrößen, Verbundlösungen und eine stärkere Be-rücksichtigung regionaler Besonderheiten ein. Kommunen müssen die Mög-lichkeit erhalten, wohnortnahe Bildungsangebote dauerhaft vorzuhalten. Um kleine Schulstandorte zu sichern, wollen wir die Mindestschülerzahl absenken und den Schulen größere organisatorische Freiheiten einräumen. Dazu gehö-ren beispielsweise jahrgangsübergreifende Unterrichtsformen, wo diese pä-dagogisch sinnvoll und organisatorisch notwendig sind. Förderprogramme des Landes sollen gezielt auf den Erhalt kleiner Standorte ausgerichtet wer-den. Auch bei Kindertagesstätten müssen gemeinsam mit den Kommunen tragfähige Lösungen entwickelt werden, damit Betreuungsangebote vor Ort er-halten bleiben. Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht automatisch zum Wegfall von Bildungs- und Betreuungsangeboten führen, sondern müssen als Chance genutzt werden, die Qualität zu verbessern. Familien müssen sich darauf ver-lassen können, dass Bildungs- und Betreuungseinrichtungen auch künftig wohnortnah erreichbar bleiben. Der Erhalt von Schulen und Kitas ist für uns ein zentraler Baustein, um den ländlichen Raum als attraktiven Lebens-, Ar-beits- und Familienort dauerhaft zu stärken.
 
Wie stellen Sie sicher, dass pädagogische Fachkräfte ausreichend auf die Begleitung von Kindern mit besonderen Lebenslagen, etwa mit belastenden Vorerfahrungen oder aus Pflege- und Adoptivfamilien, vorbereitet sind?

Kinder aus Pflege- und Adoptivfamilien sowie Kinder mit belasten-den Vorerfahrungen benötigen besondere Aufmerksamkeit, verlässliche Bindungen und ein stabiles Umfeld. Hierbei setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Pflegefamilien, Kitas und Jugendhilfe, damit Hilfen frühzeitig und passgenau erfolgen können. Pädagogische Fachkräfte benötigen dafür praxistaugliche Fortbildungen, feste Ansprechpartner und ausreichend Freiräume für die individuelle Förderung der Kinder. Entscheidend ist, dass betroffene Kinder Sicherheit, Orientierung und die bestmöglichen Vo-raussetzungen für ihre persönliche und schulische Entwicklung erhalten.
 
CDU, FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKEN, afd, SPD
 

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