1. Gleichwertige Lebensverhältnisse / Ländlicher Raum
Mit welchen
Strategien wollen Sie dem demografischen Wandel aktiv begegnen und
lebenswerte Perspektiven für alle Generationen in Sachsen-Anhalt sichern?
Den demografischen Wandel begreifen wir als gestaltbare Chance. Unsere
Strategie ist eine umfassende Stärkung der öffentlichen Infrastruktur
(Daseinsvorsorge), um das Land sowohl für eine alternde Bevölkerung als auch
für junge Familien und Zuziehende attraktiv zu machen. Die Linke will
Familien durch kostenfreie Bildung, bezahlbaren Wohnraum und eine
verlässliche soziale Infrastruktur im Land halten und neue anziehen.
Um dem demografischen Wandel zu begegnen, setzen wir auf eine umfassende
Entlastung von Eltern und die Stärkung von Kinderrechten. Elternbeiträgen
für die Kinderbetreuung in Krippen, Kitas und Horts wollen wir abschaffen.
Jedes Kind an Grund- und weiterführenden Schulen soll ein gesundes,
landesweit finanziertes Mittagessen ohne Zuzahlung der Eltern erhalten. Alle
Arbeitshefte, Tablets und Schulbücher müssen vom Land gestellt werden. Der
gesamte Weg zur Schule und zu Freizeitaktivitäten muss für Kinder und
Jugendliche im ÖPNV ticketfrei sein.
Über eine neu zu
gründende, landeseigene Wohnungsbaugesellschaft sollen gezielt bezahlbare 4-
und 5-Raum-Wohnungen gebaut und saniert werden. Gefördert werden
Wohnprojekte, die Barrierefreiheit für Großeltern mit Spielflächen und
kurzen Wegen für Enkelkinder verknüpfen.
Die Zahl der Kinder pro Erzieher*in in den Kitas soll gesetzlich gesenkt
werden. Schulen sollen zu voll ausfinanzierten Ganztagsschulen ausgebaut
werden, die Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote am Nachmittag
garantieren. An jeder Schule in Sachsen-Anhalt muss dauerhaft mindestens
eine Stelle für Schulsozialarbeit staatlich finanziert sein.
Familien benötigen lebendige Nachbarschaften und schnelle Hilfe in Krisen.
Lokale Bündnisse, Erziehungsberatungsstellen und Familienhäuser müssen
dauerhaft vom Land statt über befristete Projekte finanziert werden.
Kommunen müssen finanziell so ausgestattet werden, dass Jugendclubs,
Spielplätze, Schwimmbäder und Bibliotheken nicht aus Geldmangel schließen.
Welche konkreten Prioritäten setzen Sie, um gleichwertige
Lebensbedingungen in allen Regionen Sachsen-Anhalts zu gewährleisten –
insbesondere in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Gesundheitsversorgung,
Bildung sowie Freizeit- und Kulturangebote?
Wir streben die Gründung einer Landeswohnungsgesellschaft an, um gezielt
bezahlbare, familiengerechte und barrierefreie Mietwohnungen zu bauen und
bewirtschaften. Wir setzen uns für Mietpreisbremse und Kappungsgrenzen ein
durch das Nutzen rechtlicher Instrumente in angespannten Märkten sowie die
Förderung von Genossenschaften und kommunalen Wohnungsgesellschaften.
Fördergelder sollen in die Sanierung von Leerständen im ländlichen Raum
fließen, statt privates Eigentum zu subventionieren.
Auch im tiefsten ländlichen Raum soll es von früh bis spät mindestens im
Stundentakt Anschlüsse an den Nahverkehr geben. Wo feste Linienbusse
unwirtschaftlich sind, müssen verlässliche Rufbusse und On-Demand-Angebote
mit einheitlichen Standards und Preisen die Lücken schließen. Stillgelegte
Schienenstrecken und Haltepunkte werden reaktiviert, während neue
Autobahnprojekte nicht finanziert werden.
Im Gesundheitsbereich unterstützen wir die Überführung von Kliniken in die
öffentliche Hand, um weitere Schließungen von privaten Konzernkliniken im
ländlichen Raum aus Rentabilitätsgründen dauerhaft zu verhindern. Zudem
wollen wir den Aufbau von kommunal betriebenen Medizinischen
Versorgungszentren
(MVZ), um ambulante Ärzte im ländlichen Raum anzusiedeln.
Mit welchen Maßnahmen wollen Sie den ländlichen Raum gezielt stärken und
der Abwanderung von Familien sowie jungen Menschen entgegenwirken?
Zu den bereits weiter oben aufgeführten Punkten, wollen wir bspw. Schulen
auf dem Land zu voll ausfinanzierten Ganztagsschulen entwickeln, inklusive
verlässlicher Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangeboten am Nachmittag. Der
ÖPNV soll ausgebaut werden und Schüler, Azubis und
Freiwilligendienstleistende fahren komplett kostenfrei mit Bus und Bahn. Im
Bildungsbereich kämpfen wir für die Absenkung der Mindestprüfgrößen für
Schulstandorte, damit Kinder im ländlichen Raum kurze Beine und kurze Wege
haben. Freiwillige kommunale Leistungen (wie Bibliotheken, Schwimmbäder,
Theater und Jugendclubs) sollen zu gesetzlichen Pflichtaufgaben umgewidmet
werden, damit Kommunen im Haushaltsnotstand diese nicht zuerst schließen
müssen.
Wie sichern und verbessern Sie eine flächendeckende, wohnortnahe und
qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung – insbesondere im ländlichen
Raum?
Die Linke fordert, insolvenzbedrohte oder private Kliniken schrittweise in
kommunales oder Landeseigentum zu überführen. Auf Bundes- und Landesebene
kämpfen wir für ein Finanzierungssystem, das die tatsächlichen
Vorhaltekosten (Personal, Betten, Notaufnahme) deckt, statt Behandlungen
nach Pauschalen (DRG) abzurechnen.
Da sich immer weniger freiberufliche Haus- und Fachärzte im ländlichen Raum
niederlassen, will Die Linke kommunale oder landeseigene MVZ gründen. In
diesen Zentren arbeiten Ärzte im Angestelltenverhältnis mit geregelten
Arbeitszeiten und ohne das finanzielle Risiko oder den bürokratischen
Aufwand einer eigenen Praxis. Dies soll den ländlichen Raum für junge
Mediziner attraktiver machen.
Die Linke fordert die flächendeckende, landesfinanzierte Einführung von
qualifizierten Gemeindeschwestern (oder spezialisierten
Praxisassistentinnen). Diese fahren direkt zu älteren oder chronisch kranken
Patienten auf dem Land, übernehmen Routinekontrollen (Blutdruck,
Verbandswechsel, Blutabnahme) und halten digital Rücksprache mit dem
behandelnden Arzt. Rettungsdienste müssen flächendeckend durch Landkreise
oder Hilfsorganisationen betrieben werden, um die gesetzlichen Hilfsfristen
einzuhalten. Geschlossene Geburtsstationen im ländlichen Raum
sollen reaktiviert
werden, um werdenden Müttern lange und gefährliche Anfahrtswege in die
Zentren zu ersparen.
CDU,
FDP,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
DIE LINKEN,
afd,
SPD
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